Familienzusammenführung - ein Menschenrecht

Familien gehören zusammen - auch für Geflüchtete ein Menschenrecht

Buchen. „Eine Politik, welche die Familie gefährdet, bedroht die Würde des Menschen und die Zukunft der Menschheit selbst.“ Mit diesen Worten begann Dekan Johannes Balbach sein Statement für eine humanitäre, familienfreundliche Politik bei der gestrigen Kundgebung zum „Recht auf Familie – Integration braucht Familiennachzug“ am Alten Rathaus in Buchen. Der Caritas Verband, das Deutsche Rote Kreuz und das Diakonische Werk im Neckar-Odenwald-Kreis luden zu einer Gedenkstunde ein. Mehr als 30 Menschen waren gekommen. Darunter ein 15-jähriger anerkannter Flüchtling, dessen Eltern nach zwei Jahren Trennung Familiennachzug beantragen dürfen. Ein Familienvater aus Syrien, der schon seit vier Jahren hier lebt, aber seine Familie nicht nach Deutschland holen darf, da man ihn nach Bulgarien abschieben will, schilderte seine Situation.

Der Buchener Bürgermeister Roland Burger wies auf die Schwierigkeiten der kommunalen Unterbringung von Geflüchteten hin. Es sei eine große Verantwortung, der man kaum nachkommen könne. Burger zeigte sich mit Blick auf den Zuzug von Angehörigen besorgt. Balbach führte mit Blick auf die politische Verantwortung aus, dass unsere Gesellschaft materielle Mindeststandards für Familien gewährleisten müsse – genügend Kindergarten-, Schul-, und Ausbildungsplätze, Arbeit und ausreichend bezahlbaren Wohnraum. Würde man diese Voraussetzungen für alle Familien schaffen, wären die Herausforderungen der Integration dadurch leichter zu meistern. Die Anliegen der benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft und die Bedürfnisse der Flüchtlinge dürften dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dekan Folkhard Krall betonte, dass die Einheit der Familie ein unumstößliches Grund- und Menschenrecht darstelle. Er erinnerte an die verzweifelte Suche vieler deutscher Familien nach Überlebenden des Zweiten Weltkrieges. Die Vorstellung, dass Kinder ohne Eltern zurechtkommen müssen und Familienväter zu Fremden werden, sei gerade in der Weihnachtszeit unerträglich. Die Zusammenführung von Familien mit Flüchtlingsanerkennung oder mit subsidiärem Schutz sei daher eine christliche Verpflichtung. Dekan Krall dachte auch an die Verwaltungsangestellten, die das geltende Recht umsetzen müssen. Wie schwer muss es sein, so Krall, die Aussetzung des Familiennachzugs behördlich zu vertreten in einer Zeit, wo man selbst mit der eigenen Familie in weihnachtlicher Vorfreude zusammen sei.

Birgit Link und Janet Sanns vom AK Asyl Buchen erzählten von den seelischen Strapazen der Menschen, die Familienangehörige zurücklassen mussten. In Buchen gibt es auch Frauen, die auf Kinder und Ehemänner warten sowie Kinder und Jugendliche, die sich die Eltern herbeiwünschen. Seit einiger Zeit habe man ein Frauenfrühstück gestartet, das von geflüchteten Frauen sehr gut angenommen wird. Steffen Blaschek, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes im Neckar-Odenwald-Kreis, beschrieb die guten Kontakte zwischen haupt- und ehrenamtlichen Integrationsunterstützern und Geflüchteten. Dadurch erreiche man auch die nachgezogenen Angehörigen. Die Familien hätten ein hohes Eigeninteresse daran, selbst Wohnungen zu mieten und nicht von der kommunalen Unterbringung anhängig zu sein. Die kommunale Verantwortung zur Unterbringung solle einer Politik Platz machen, die es ermöglicht, selbst bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Der syrische Familienvater ergriff ebenfalls das Wort: „Es ist das vierte Weihnachten, das ich ohne meine Familie in Deutschland bin. Ich habe viel über die deutsche Gesellschaft und Gesetze gelernt. Wenn ich subsidiären Schutz bekomme, darf ich sie vielleicht gar nicht holen. Ich hoffe, dass man unsere Not versteht, und dass Gesetze menschlicher werden.“ Dafür demonstrierte man gestern in Buchen.