Kindheit im Sondersystem: Neue Studie zeigt die schwierige Lebensrealität geflüchteter Kinder
Eine aktuelle Untersuchung von Save the Children Deutschland und dem Paritätischen Gesamtverband macht deutlich: Kinder, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) erhalten, sind in vielen Bereichen ihres Lebens erheblich benachteiligt.
Eine aktuelle Untersuchung von Save the Children Deutschland und dem Paritätischen Gesamtverband macht deutlich: Kinder, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) erhalten, sind in vielen Bereichen ihres Lebens erheblich benachteiligt. Die Ergebnisse basieren auf einer bundesweiten Befragung von 443 Fachkräften aus der Sozialen Arbeit und zeichnen ein alarmierendes Bild der Lebenssituation von rund 100.000 betroffenen Kindern in Deutschland.
87 Prozent der befragten Fachkräfte berichten, dass Kinder im Grundleistungsbezug des Asylbewerberleistungsgesetzes in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe eingeschränkt sind. Besonders betroffen sind die Bereiche Gesundheit, Bildung, Ernährung, Freizeit und Kultur.
Die Studie zeigt, dass viele Kinder keinen gleichberechtigten Zugang zu wichtigen Angeboten erhalten. Fehlende finanzielle Mittel, bürokratische Hürden und strukturelle Benachteiligungen erschweren die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erheblich.
Besonders kritisch bewerten die Befragten die gesundheitliche Versorgung. 74 Prozent sehen erhebliche Einschränkungen beim Zugang zu Gesundheitsleistungen. Vor allem psychotherapeutische Unterstützungsangebote, Facharztbehandlungen sowie Hilfsmittel wie Brillen oder Hörgeräte sind für viele Kinder schwer zugänglich. Fehlende Sprachmittlung und hoher Verwaltungsaufwand verschärfen die Situation zusätzlich.
Die Fachkräfte berichten zudem von erheblichen Verzögerungen bei der Bewilligung von Leistungen. Nach Einschätzung von knapp 70 Prozent der Befragten geraten dadurch Kinder und sogar Neugeborene regelmäßig oder in Einzelfällen in akute Notsituationen. Teilweise bleiben Familien über längere Zeiträume ohne ausreichende finanzielle Unterstützung oder medizinische Versorgung.
Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu einem klaren Ergebnis: Das Asylbewerberleistungsgesetz stellt ein strukturell defizitäres Sondersystem dar, das den Bedürfnissen und Rechten von Kindern nicht gerecht wird. Sie fordern daher den Abbau bestehender Benachteiligungen, bessere Zugänge zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Teilhabe sowie langfristig die Integration geflüchteter Familien in das reguläre Sozialleistungssystem.
Die Studie versteht sich als wichtiger Beitrag zur Diskussion über Kinderrechte in Deutschland und macht deutlich, dass Herkunft und Aufenthaltsstatus nicht darüber entscheiden dürfen, ob Kinder die gleichen Chancen auf Entwicklung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe erhalten.
Die vollständige können Sie hier einsehen .

